Duisburger Filmwoche

Duisburger Filmwoche 45
Schichten
10.—14.11.2021

Preisträger

3sat-Dokumentarfilmpreis

Girls | Museum
von Shelly Silver

Fünfzehn Mädchen kommentieren Kunstwerke aus fünf Jahrhunderten. Grimmige Männer, halbnackte Frauen – Gewalt, Macht, Begehren, Verführung, Unschuld. Die Idee ist simpel: Die Mädchen vermitteln die Kunst und lenken unseren Blick. Der Film dokumentiert diesen Prozess. Die Mädchen haben individuelle Zugänge zur Darstellung von Männlichkeit und Weiblichkeit und reagieren jeweils anders auf die Macht der Bilder. Dabei artikulieren sie auch ihre eigenen Geschichten. Die Mädchen sind zwischen sieben und neunzehn. Ihre Interaktion wird auch dadurch zu einer feministischen Auseinandersetzung mit tradierten Körper- und Rollenbildern, weil sie aus der Perspektive der weiblichen Adoleszenz auf die Bilder blicken. Über Kadrierung, Rhythmus und Montage findet der Film eine Form, die uns an diesem Prozess teilhaben lässt. Für uns war das eine verblüffende, aufregende und erkenntnisreiche Erfahrung.
Shelly Silver gelingt mit GIRLS | MUSEUM eine sensible und hochkomplexe Auseinandersetzung mit Hierarchien, die eingeschrieben sind in die Kunst, ihre Betrachtung und ihre Vermittlung.

ARTE-Dokumentarfilmpreis

Uncomfortably Comfortable
von Maria Petschnig

Ein begrenzter Raum, in dem der Blick zwangsläufig nach vorne geht. In ihm treffen zwei Menschen aufeinander, deren Lebensumstände unterschiedlicher nicht sein könnten.
„Für dich ist es ein Projekt, für mich ist es mein Leben“ sagt Marc Thompson. Der afroamerikanische Mann ist wohnungslos und lebt seit einiger Zeit in seinem Auto in den Straßen von New York. Maria Petschnig ist Filmemacherin, weiß und wohnt in Brooklyn. Aus dieser asymmetrischen Situation entsteht die Abmachung für einen Film.
„Uncomfortably Comfortable“ zeigt den Protagonisten bei seinen alltäglichen Abläufen, denen er so organisiert, bedacht wie würdevoll nachgeht. Dabei wird in der gegenseitigen Annäherung das Verhältnis von Nähe und Distanz stetig neu definiert.
Thompson lässt die Filmemacherin in seine Welt hinein, sie wiederum gibt ihm den Raum, die Erzählung seines scheinbar selbstgewählten Nomadentums zu formulieren. Persönliche Schicksalsschläge und Erfahrungen mit alltäglichem Rassismus und Polizeigewalt werden dabei nicht zu einfachen sozialen Erklärungsmustern für ein Leben am Rande der Gesellschaft. Vielmehr sind sie Teil eines vielschichtigen Portraits.
Die Distanz, die essentiell ist als schwankender Grund, auf dem Begegnung vielleicht möglich ist, übersetzt Petschnig gekonnt in eine filmische Form. Ein bewusster Umgang mit totalen Einstellungen, fragmentierten Nahen, die punktuelle Konzentration auf die akustische Erzählung und die Präzision in der Montage ermöglichen einen gleichsam affizierten wie reflektierten Zugang zum Film.
Aus der zufälligen Begegnung wird eine gemeinsame Bewegung, aus dem anfänglichen Filmprojekt eine geteilte Erfahrung, die uns in ihrer Dringlichkeit berührt.

Preis der Stadt Duisburg

Lydia
von Christian Becker

Aus dem Super-8-Archiv eines Ehepaars hat der Regisseur mit bedachter Auswahl einen Diamanten geschliffen über das Private. Wir lernen beide kennen als intellektuelle Neurotiker und Genießer, gleichzeitig bleiben sie für uns auf ungesehene Art geheimnisvoll. Das Beobachten zweier, die sich beobachten, schafft die überraschende und originelle Abbildung ehelicher Intimität.

„Carte blanche“ Nachwuchspreis des Landes NRW

Augusts Orte
von Valérie Pelet

Mit konzeptioneller Klugheit und Lakonie verwebt die Filmemacherin sichtbare und unsichtbare Spuren. Ihr leidenschaftlicher Umgang mit dem 16-mm-Material und die trügerische Sanftheit des Voice-overs machen Überlagerungen von Geschichte spürbar, in welchem die Regisseurin Zusammenhänge zwischen dem flirrenden Sommer, unbekümmertem Urlaub, kriegerischen Handlungen und surrealen wie existenziellen Migrationserfahrungen evoziert.

Publikumspreis der Rheinischen Post

Nicht verRecken
von Martin Gressmann

Juries

ARTE-Dokumentarfilmpreis

Esther Buss
Freischaffende Film- und Kunstkritikerin in Berlin. Sie studierte Amerikanistik in München und war von 2001 bis 2004 Redakteurin bei der Zeitschrift Texte zur Kunst. Seitdem schreibt sie Aufsätze und Filmkritiken, u.a. in kolikfilm, Jungle World, Filmdienst, Sissy und Der Tagesspiegel. Letzte Veröffentlichung in: „Eine eigene Geschichte: Frauen Film Österreich seit 1999″, hrsg. von Isabella Reicher, Wien 2020. Seit Anfang 2021 arbeitet sie im Rahmen des Siegfried Kracauer Stipendiums zum First Person Cinema.

Christian Popp
Studium der Geschichte und Romanistik in Tübingen und Aix-en-Provence. Zwischen 1998 und 2005 Redakteur bei ARTE in Straßburg und RBB/ARTE in Potsdam. Von 2005 bis 2012 Produzent in Paris und Berlin. 2012 gründete er die Firma Yuzu Productions in Paris. Tutor, Berater und Moderator für verschiedene Institutionen und Märkte im Bereich Dokumentarfilm. Experte für das Media Desk Schweiz und seit 2019 Kurator der Industry Days des International Documentary Festival in Biarritz.

Luise Donschen
Filmemacherin. Ihr Debütfilm „Casanovagen“ feierte 2018 seine Premiere im 48. Forum der Berlinale. Ihre Filme werden auf internationalen Festivals gezeigt und haben zahlreiche Preise gewonnen. Ihr Kurzfilm „Ganze Tage zusammen“ lief auf der 44. Duisburger Filmwoche. Von 2010 bis 2017 war sie als künstlerische Mitarbeiterin im Filmbereich der Hochschule für Bildende Künste Hamburg in der Lehre tätig.

3sat-Dokumentarfilmpreis

Michael Baute
Er veröffentlicht seit 1992 zu Kino u.a. in Jungle World, SigiGötz Entertainment, Cargo, kolik.film, tip Berlin und taz sowie im Weblog newfilmkritik.de. 2006 Co-Herausgeber (mit Volker Pantenburg) von „Minutentexte. The Night of the Hunter“ (Brinkmann und Bose). 2008/09 künstlerischer Leiter von „Kunst der Vermittlung“, einem Projekt zur Erforschung, Sammlung und Verbreitung audiovisueller Formen von Film- und Kinovermittlung. Seit 2010 Lehrveranstaltungen und Workshops, seit 2015 Dozent für Filmgeschichte an der dffb in Berlin.

Gabriele Mathes
Regiestudium an der Filmakademie Wien bei Axel Corti und Peter Patzak sowie Studium an der Universität Wien (Philosophie und Kunstgeschichte). Seit 2005 im Vorstand des Drehbuchforum Wien. 2006 bis 2019 Leitung des Jugendfilmfestivals video&filmtage in Wien. Filmemacherin, Dramaturgin, Drehbuchautorin. Von 2014 bis 2018 Mitglied der Auswahljury für Scriptlab Doku (Drehbuchforum Wien). 2019 Mitglied der Auswahljury für sixpackfilm. Seit 2020 Mitglied des Filmbeirats des BMKOES (Bundesministerium für Kunst, Kultur, öffentlicher Dienst und Sport).

Julia Zutavern
Filmwissenschaftlerin und -kritikerin. Sie studierte in Zürich und Hamburg, arbeitete mehrere Jahre am Seminar für Filmwissenschaft der Universität Zürich (2006-2018), war Mitherausgeberin der Zeitschrift Montage AV (2013-2018), Vorstandsmitglied der Internationalen Kurzfilmtage Winterthur (2006-2010) und freie Mitarbeiterin der Docmine Productions (damals Condor Films, 2005-2008). Seit 2009 schreibt sie für den Tages-Anzeiger, die WOZ und das Filmbulletin, seit 2020 unterrichtet sie Medienethik an der Fachhochschule Graubünden.

Preis der Stadt Duisburg
„Carte blanche“ Nachwuchspreis des Landes NRW

Jenny Billeter
Co-Programmleiterin des Kino Xenix, Zürich. Nach mehreren Jahren in einer Band und im Kulturjournalismus, Studium der Filmwissenschaft und Ethnologie an der Universität Zürich und Wien. Von 2006 bis 2013 Mitglied der Auswahlkommission des Filmfestivals Visions du Réel in Nyon. Gleichzeitig beim Filmfestival Locarno zuerst als Pressebetreuerin, dann in der Auswahlkommission der Kurzfilme tätig. 2014 bis 2017 Leitung der Sektion Fokus bei den Solothurner Filmtagen. Ab 2015 Auswahl der Dokumentarfilme für das Programmkino Xenix. Von 2011 bis 2015 Mitglied der Fachkommission Non-Fiction der Zürcher Filmstiftung. Co-Regie des Dokumentarkurzfilms „Eisbär“ (2019). Seit 2019 Mitglied der Schweizer Filmakademie.

Samira El Ouassil
Autorin, Schauspielerin und medienkritische Kolumnistin bei Spiegel, Übermedien und Deutschlandfunk. 2016 erschien ihr Buch „Die 100 wichtigsten Dinge“ (mit Timon Kaleyta und Martin Schlesinger) im Hatje Cantz Verlag. Zusammen mit Christiane Stenger veröffentlicht sie wöchentlich den preisgekrönten Philosophie-Podcast „Sag niemals Nietzsche“ sowie mit Friedemann Karig den diskursanalytischen Podcast „Piratensender Powerplay“. 2019 wurde sie für ihre Übermedien-Kolumne mit dem Bert-Donnepp-Preis für Medienpublizistik ausgezeichnet und ist dieses Jahr zum zweiten Mal für den Michael-Althen-Preis nominiert.

Rainer Knepperges
Mitglied der „Kölner Gruppe“, innerhalb der er seit 1987 als Regisseur, Autor und Darsteller an über 15 meist kurzen Spielfilmen beteiligt war. 1990 Mitbegründer des Filmclub 813. Herausgeber der Zeitschrift Gdinetmao, Texte zum Film u.a. in Cargo und new filmkritik. Gelegentlich kuratiert er Filmprogramme. Er lebt und arbeitet in Köln.

Kommission

Alejandro Bachmann
Kulturarbeiter mit Schwerpunkten im Vermitteln von und Schreiben über Film sowie in der Zusammenstellung von Filmprogrammen (mit Fokus auf dokumentarischen und experimentellen Formen). 2010 bis 2019 wissenschaftlicher Mitarbeiter, später Leiter des Bereichs Vermittlung, Forschung und Publikationen des Österreichischen Filmmuseums. Herausgeber von „Räume in der Zeit. Die Dokumentarfilme von Nikolaus Geyrhalter“ (Sonderzahl, 2015) und Co-Herausgeber von „Echos. Zum dokumentarischen Werk Werner Herzogs“ (Vorwerk 8, 2018), Associate Editor des Found Footage Magazine und des Film Education Journal. Lebt in Wien.

Bettina Braun
Ausbildung in London und Köln. Regisseurin, Autorin und Dozentin für Dokumentarfilm. Ihre Filme laufen auf nationalen und internationalen Festivals und erhalten diverse Auszeichnungen u.a. Filmpreis NRW für den Besten Dokumentarfilm, Medienpreis der Kindernothilfe, Phoenix Dokumentarfilmpreis, Publikumspreis der Duisburger Filmwoche. Für ihre Dokumentarfilm-Trilogie „Was lebst du?“ (2004/05), „Was du willst“ (2008), „Wo stehst du?“ (2011) erhielt sie 2013 den Grimme Preis Spezial. Bettina Braun ist Gründungsmitglied von LaDOC, Köln und Mitglied im Vorstand des Filmbüro NW e.V.

Anja Dreschke
Ethnologin, Filmemacherin und Kuratorin. Ihre Forschungsinteressen und Veröffentlichungen liegen im Bereich Theorie und Praxis an der Schnittstelle von experimenteller Ethnografie, essayistischem Film und künstlerischer Forschung. Unterrichtet audiovisuelle Anthropologie und Medienethnologie derzeit als wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Medien-und Kulturwissenschaft an der Universität Düsseldorf. Realisiert Filme, Videoinstallationen und Photoessays. Als Kuratorin arbeitet sie im Bereich von Ethnologie, Film und Kunst für Filmfestivals, Museen und andere Kulturinstitutionen.

Alex Gerbaulet
Filmemacherin und Produzentin in Berlin. Seit 2015 drei zum Teil mehrfach ausgezeichnete Kurzfilme: „Schicht“ (2015), „Tiefenschärfe“ (2017, zusammen mit Mareike Bernien) und „Die Schläferin“ (2018). Seit 2006 Lehrtätigkeit u.a. an der Hochschule für Bildende Künste Braunschweig, der Kunsthochschule Kassel, der School of the Art Institute of Chicago und der Short Film Station der Berlinale Talents, sowie Mitarbeit in der Auswahljury des Kasseler Dokfest und des European Media Art Festivals in Osnabrück. Seit 2014 ist sie Teil der Produktionsplattform pong film in Berlin und hat dort seither u.a. an Filmen von Philip Scheffner, Dorothee Wenner und Khaled Abdulwahed mitgearbeitet.

Jan Künemund
Geboren in Schwerte (Ruhr). Literaturwissenschafts-, Soziologie- und Linguistikstudium in Bochum, Mitarbeit im Endstation Kino und beim Festival blicke. 2006 bis 2015 Text-, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit beim Filmverleih Edition Salzgeber in Berlin. Redakteur des Queer-Cinema-Magazins Sissy. Dramaturgische Beratung bei Spiel- und Dokumentarfilmproduktionen, Co-Autor des Spielfilms „Lichtes Meer“ (2015). Seit 2015 Forschung und Lehre am Institut für Medien, Theater und Populäre Kultur der Universität Hildesheim. Promotionsprojekt zum Queer Cinema. Freier Filmjournalist, u.a. für Spiegel Online, Freitag, Taz und Filmdienst.

Luc Schaedler
Geboren in Zürich. 1986 bis 2002 Mitarbeit in der Programmation des Kino Xenix in Zürich. 1994 bis 1998 Studium der Ethnologie, Geschichte und Filmwissenschaft an der Universität Zürich. 2005 Promotion in Visueller Anthropologie mit seinem Dokumentarfilm „Angry Monk“. 1998 bis 2001 Mitarbeit beim Aufbau des Kinderfilmklubs Zauberlaterne in Zürich. Seit 1998 freischaffender Dokumentarfilmer und Produzent mit seiner Firma go between films: „Made in Hong Kong“ (1997), „Angry Monk“ (2005), „Watermarks“ (2013), „A Long Way Home“ (2018).

Filme

Köy (Serpil Turhan | DE 2021)
Herr Bachmann und seine Klasse (Maria Speth | DE 2021)
Uncomfortably Comfortable (Maria Petschnig, USA/AT 2021)
Anmaßung (Stefan Kolbe, Chris Wright | DE 2021)
Derweil (Samuel Heinrichs | DE 2021)
Taming the Garden (Salomé Jashi | DE/CH/GE 2021)
Zuhurs Töchter (Laurentia Genske, Robin Humboldt | DE 2021)
Augusts Orte (Valérie Pelet | AT 2021)
Krai (Aleksey Lapin | AT 2021)
Là où nous sommes (Amélie Bargetzi | CH 2020)
Nicht verRecken (Martin Gressmann | DE 2021)
Girls | Museum (Shelly Silver | DE 2020)
Picnic at Hanging Rock (Naama Heiman | DE 2021)
Arrival Points (Rheim Alkadhi, LB/GR/DE 2021)
We Are All Detroit (Ulrike Franke, Michael Loeken | DE 2021)
Lydia (Christian Becker | DE 2021)

Extras

Verschwindende Arbeit, veränderte Struktur. Über neue Bilder des Wandels. Ulrike Franke, Michael Loeken und Britt Beyer im Gespräch mit Matthias Dell

Durchlässige Blicke, offene Irritationen. Grenzfälle des Dokumentarischen in den Arbeiten Merle Krögers und Philip Scheffners

Naua Huni (Barbara Keifenheim, Patrick Deshayes | DE/FR 1986)

Motto

Schichten

Schichten = Menschengruppen mit bestimmten gesellschaftlich relevanten Gemeinsamkeiten in Bezug auf die ökonomische und soziale Lage

Denn „Sachverhalte“ sind nicht mehr als Schichten, die erst der sorgsamsten Durchforschung das ausliefern, um dessentwillen sich die Grabung lohnt. Die Bilder nämlich, welche, losgebrochen aus allen früheren Zusammenhängen, als Kostbarkeiten in den nüchternen Gemächern unserer späten Einsicht stehen. (Walter Benjamin)

Schichten = horizontale Gesteinslage

„2012 sahen sich 53 Prozent der Ostdeutschen den Mittelschichten zugehörig, im Vergleich zu 64 Prozent der Westdeutschen. 39 Prozent der Ostdeutschen (Westdeutsche 22 Prozent) stuften sich in die Arbeiterschicht ein.“ (Geißler, Rainer: Facetten der modernen Sozialstruktur, BpB)

Die Stufenleiter des Lebensstandards entspricht recht genau der inneren Verbundenheit der Schichten und Individuen mit dem System. (Horkheimer/Adorno)

Ein Schwarzweißfilm besteht im Allgemeinen aus drei Schichten: 1. Lichtempfindliche Schicht, bestehend aus retuschierbarer Gelatine-Schutzschicht und Fotoemulsion, 2. Schichtträger, bestehend aus Kunststoff, auch Filmunterlage genannt, sowie 3. Lichthofschutzschicht.

Schichten = besonders in Betrieben mit durchgehend zu besetzenden Arbeitsplätzen derjenige Abschnitt eines Arbeitstages, der von Ablösung zu Ablösung dauert und der für einen Werktätigen oder eine Gruppe von Werktätigen die verbindlich festgelegte Arbeitszeit ist.

Häutung, das Abstoßen der obersten Schichten der Oberhaut im einzelnen und im ganzen und das Abwerfen der Kutikularbildungen. Die Säugetiere und Vögel häuten sich beständig, indem sich die Oberhaut fortwährend in kleinen Schüppchen ablöst, auch sind Haarwechsel und Mauser analoge Vorgänge; ähnlich ist es bei den Fischen. Die Lurche und Reptilien (mit Ausnahme der Schildkröten und Krokodile, die sich nicht häuten) werfen ihre alte Haut in größeren Fetzen oder im ganzen ab, ebenso die Gliederfüßer die sie bedeckende, zum Teil auch innere Organe auskleidende Kutikularbildung. (Brockhaus)

Die in den früheren Jahren in Ostdeutschland zu beobachtende pyramidenförmige Schichtstruktur einer Arbeitergesellschaft näherte sich allmählich der zwiebelförmigen – für Mittelschicht- gesellschaften charakteristischen – Verteilung in Westdeutschland an. Diese Entwicklung deutet für Ostdeutschland somit auf einen signifikanten Wandel in der Wahrnehmung der eigenen Position in der hierarchischen Struktur der Gesellschaft hin. (Datenreport 2021 / destatis.de)

Fallen fallen / Schichten Wege / Fallen fallen / Schütten Wege / Fallen fallen / Wege Wege / Wegeschotter / Wege Wege / Neue Wege (August Stramm)

Der Schichtbegriff wird meist über das Einkommen definiert. Das sagt nur bedingt etwas über die kulturelle Lebensführung aus. Der Milieubegriff betont zu Recht diese kulturellen Differenzen, vernachlässigt jedoch die Machtunterschiede zwischen den sozialen Großgruppen, die Unterschiede im Einfluss und Prestige. Der Begriff Klasse ist treffender und genauer. (Andreas Reckwitz)

Für alle Schichten der Gesellschaft kann doch nur die eine Wahrheit gelten, daß beide Theile des menschlichen Geschlechtes, gleichmäßig zu verständigen, denkenden und arbeitsamen Wesen entwickelt werden müssen, wenn die Menschheit wirklich zu ihrem Rechte, zu ihrer vollsten Entfaltung gelangen soll. (Luise Büchner)