Duisburger Filmwoche

44. Duisburger Filmwoche
Anspruch
≈ 2. bis 8.11.2020

Preisträger

ARTE-Dokumentarfilmpreis

If It Were Love
von Patric Chiha

Körper bewegen sich in hypnotischer Zeitlupe, ekstatisch in der Gemeinschaft, und doch auch mit sich. Sie bewegen sich aufeinander zu, suchen und verfehlen sich, ihr Tanz ist wild, zärtlich und erotisch, ihr Fieber erfasst uns unmittelbar. Aus dem kollektiven Körper schälen sich allmählich individuelle Figuren und Gefühle heraus: Sie sprechen von Anziehung, Abstoßung und Symbiose, von Aggression, Einsamkeit und Verzweiflung, der Lust auf Sex und dem Wunsch nach Liebe. Die Gefühle sind groß und werden in der gedehnten Zeitwahrnehmung der Slow Motion übergroß. Si c’était de l’amour – im „wenn“ liegt eine Verunsicherung wie eine Möglichkeit. „If It Were Love“ ist weniger ein Film über das Raveparty-Stück „Crowd“ der französischen Theatermacherin und Choreografin Gisèle Vienne, als „mit“. Jede Bewegung, jede Geste, jedes Gesicht, jeder Blick, scheint den Film vollständig zu durchdringen. Im Zusammenspiel von Körpern und Affekten, von Musik, Kamera, Licht und Montage entsteht so ein ganz eigener Erfahrungsraum – voller Magie und Intensität. Die Frage nach der Differenz von Dokumentation und Fiktion, Bühnenfigur und Tänzer*in, Körperkontrolle und Selbstverlust ist bald vergessen und egal sowieso. Wenn Patric Chiha und Gisèle Vienne zusammen tanzen, sind die Grenzen so fluide wie die (sexuellen) Identitäten.
Chiha hat mit „If It Were Love“ einen erschütternd sensuellen, erschütternd empfindsamen Film gemacht, der noch immer tief in unseren Körpern steckt. In einer Zeit, die nach Abstand verlangt, ist dieses Erlebnis ein umso wertvolleres Geschenk.

Lobende Erwähnung

Kunst kommt aus dem Schnabel wie er gewachsen ist
von Sabine Herpich

Eine lobende Erwähnung möchten wir für den Film einer Filmemacherin aussprechen, der es auf wunderbare Weise schafft, Kunst als existentielle Beschäftigung mit der Innen- und Außenwelt einzufangen. Die Ruhe, Geduld und Zugewandtheit in der Beobachtung entsprechen dabei der behutsamen Herangehensweise der porträtierten Künstler*innen und ihrer Begleiter*innen in der Kunstwerkstatt Mosaik in Berlin. Sabine Herpichs Empathie und respektvolle Distanz erschaffen einen viel zu seltenen dokumentarischen Einblick in die kreative Welt von Menschen mit Behinderung und heben implizit den Dualismus von Insider- und Outsider-Kunst auf. „Kunst kommt aus dem Schnabel wie er gewachsen ist“ ist ein großartiger Film, der uns beeindruckt und bewegt hat.

3sat-Dokumentarfilmpreis

Kunst kommt aus dem Schnabel wie er gewachsen ist
von Sabine Herpich

Der Blick der Kamera ist konzentriert. Unaufdringlich richtet er sich auf das Wesentliche: die Menschen in der Berliner Kunstwerkstatt Mosaik und die besonderen Bedingungen, unter denen ihre Arbeiten entstehen. Da ist zum Beispiel Suzy van Zehlendorf, die sich mit einer Neuinterpretation kanonischer Werke der Kunstgeschichte (sie ersetzte Menschen- durch Hahnenköpfe) einen Namen gemacht hat. Oder der betagte Adolf Beutler, dessen geniale Schraffierungen auch nicht vor dem Stuhl haltmachen, auf dem er sitzt. Ihre Behinderungen sind sichtbar, werden vom Film aber weder vorgeführt noch verklärt oder unnötig aufgebauscht. Sie sind einfach da, genauso selbstverständlich wie die Begabungen, mit denen uns die Protagonist*innen im Laufe des Films immer mehr für sich einnehmen. Der Galerist, der eine Ausstellung mit Arbeiten aus der Kunstwerkstatt plant, bringt es sinngemäß so auf den Punkt: Ein Kunstwerk ist ein Kunstwerk, egal, ob der Künstler gehen oder sprechen kann.
Unvoreingenommen, außergewöhnlich langmütig und einfühlsam porträtiert „Kunst kommt aus dem Schnabel wie er gewachsen ist“ nicht nur eine vorbildliche soziale und künstlerische Einrichtung. Wie beiläufig wirft der Film auch die ganz großen Fragen auf – nach dem Wesen der Kunst, den Bedingungen ihrer Produktion und ihrer gesellschaftlichen Relevanz. So ernst, reflektiert, genau und schön sind Filme selten. Das hat uns sehr berührt.

Preis der Stadt Duisburg für kurzen und mittellangen Dokumentarfilm

Wohnhaft Erdgeschoss
von Jan Soldat

„Darf ich?“, fragt der nackte Mann, der in einer Kammer an einem schmalen Bett steht und seinen Penis in der Hand hält – und beginnt auf das Bett zu pissen. Im Internet ist sein Nickname der „Bettpinkler“. Danach sitzt Protagonist Heiko nackt vor seinem chaotischen Computertisch – sein zugemülltes Wohnzimmer ist so vielschichtig wie seine Lebensgeschichte, die wir im Laufe des Filmes erfahren werden.
Wir stehen mit dem Regisseur inmitten von Heikos haptischer Lebenswirklichkeit, dem Schmutz und Gestank, und es ist die Neugier des Filmemachers, die uns aus Heikos Höhle im Erdgeschoss in dessen Heimatort führt. Durch die Selbstverständlichkeit, mit der Soldat seinen Protagonisten Heiko auf seiner Reise porträtiert, erzeugt der Regisseur einen intimen, beinahe zärtlichen Blick, der Heikos Neigung von etwas Abstoßendem in etwas Tröstliches verwandelt.
Soldat schafft eine ihm eigene, nüchterne Ästhetik, die sich mit Hilfe der statischen Kamera, dem DV-Format und dem 4:3-Bildverhältnis organisch mit Heikos schmerzhaften Erinnerungen, seiner Nacktheit und seinem Urin vermengt.
Zudem greift der Regisseur mit der Porträtierung eines Menschen, der als Kind geschlagen wurde und nach Zusammenbruch der DDR durch das soziale Netz fiel, ein gesellschaftspolitisch relevantes Thema auf. Jan Soldat vermeidet, die Lebensgeschichte von Heiko zu pathologisieren oder zu stigmatisieren. Wir haben hier keine Freakshow, sondern eine respektvolle Darstellung eines Menschen.

Lobende Erwähnung

Ich habe dich geliebt
von Rosa Hannah Ziegler

„Ich habe dich geliebt” erzählt das Ende der Liebesgeschichte eines jungen Paares. In Vignetten der Kommunikationslosigkeit, deren Scharniere TikTok-Videos sind, dokumentiert der Film die Dialogunfähigkeit seiner beiden Hauptfiguren. Diese ist in seiner Inszenierung ambivalent und herausfordernd und gerade deshalb spannend in seiner Verhandlung der permanenten Sichtbarkeit in sozialen Netzwerken.

„Carte Blanche“ Nachwuchspreis des Landes NRW

Jetzt oder morgen
von Lisa Weber

„There can be miracles“ heißt das Lied, das wie ein Leitmotiv mehrmals im Film von Lisa Weber auftaucht. Allerdings gibt es die Wunder nicht für jeden. Der Lieblingssong der Protagonistin Claudia steht im Kontrast zu der Ausweglosigkeit ihrer Lebensumstände.
In ihrer Milieustudie beobachtet die Regisseurin Lisa Weber über drei Jahre die junge Mutter, ihren kleinen Sohn, die Oma und den arbeitslosen Bruder, die inmitten von Plastikspielzeug, Bildschirmen und ein paar Haustieren in einer verrauchten Wiener Stadtrandwohnung ihr Dasein fristen. Konsumieren und konsumiert werden. Die Regisseurin fragt hinter der Kamera, ob Claudia bei der Lehrstellensuche weitergekommen sei. Anfangs noch enthusiastisch und hoffnungsvoll, später traut sie sich nicht mehr zu fragen. Die Ernüchterung ist im Film zu spüren.
Schonungslos, weil nah am Alltag der Protagonisten und doch fürsorglich, erzeugt der Film Mitgefühl statt Mitleid und stellt die Familie nicht bloß. Trotzdem erreicht uns die lähmende Lethargie einer schmerzhaften sozialen Realität, in der die Zeit spurlos verrinnt – nur die Geburtstagspartys markieren, wie die Jahre vergehen. Hierbei gelingt es dem Film auf eindrückliche Weise, die Statik von Sozialdynamiken abzubilden. “There are no miracles”.

Lobende Erwähnung

first in first out
von Zacharias Zitouni

Der Filmemacher erzählt die Kennenlerngeschichte seiner Eltern, einem Algerier und einer Deutschen. Mit der Stimme der Mutter und Aufnahmen vom Vater bei der Arbeit geht er dem Widerspruch nach, dass der Vater heute für die Polizei kocht, die ihn damals abgeschoben hat. Mit seinem sehr persönlichen Zugang streift Zacharias Zitouni aktuelle gesellschaftspolitische Diskurse rund um Integration und die Generationenkonflikte herkunftsdiverser Familien.

Online-Publikumspreis

Spuren – Die Opfer des NSU
von Aysun Bademsoy

Juries

ARTE-Dokumentarfilmpreis

Esther Buss
Sie lebt als frei schaffende Film- und Kunstkritikerin in Berlin, außerdem tätig als Lektorin. Studierte Amerikanistik und Theaterwissenschaft in München und arbeitete von 2001 bis 2004 als Redakteurin bei Texte zur Kunst. Seitdem schreibt sie Aufsätze und Filmkritiken, u.a. für kolik.film, Jungle World, Der Tagesspiegel, Filmdienst, Spiegel Online und Sissy. Letzte Veröffentlichung in: „Eine eigene Geschichte: Frauen Film Österreich seit 1999“, hrsg. von Isabella Reicher, Wien 2020.

Christian Popp
Studium der Geschichte und Romanistik in Tübingen und Aix-en-Provence. Zwischen 1998 und 2005 Redakteur bei ARTE in Straßburg und RBB/ARTE in Potsdam. Von 2005 bis 2012 Produzent in Paris und Berlin. 2012 gründete er die Firma YUZU Productions in Paris. Tutor, Berater und Moderator für verschiedene Institutionen und Märkte im Bereich Dokumentarfilm. Experte für das MEDIA Desk Schweiz und seit 2019 Kurator der Industry Days des FIPADOC International Documentary Festival in Biarritz.

Serpil Turhan
Studierte von 2001 bis 2004 Theaterwissenschaften an der Freien Universität Berlin. Regieassistentin für verschiedene Regisseure wie Rudolf Thome und Thomas Arslan. Begann währenddessen Dokumentarfilme zu drehen und studierte Medienkunst/Film an der Hochschule für Gestaltung in Karlsruhe. 2013 Diplom mit dem Dokumentarfilm „Dilim Dönmüyor – Meine Zunge dreht sich nicht“. 2016 Teilnahme am Berlinale Forum mit „Rudolf Thome – Überall Blumen“. Derzeit Gastprofessorin an der Hochschule für Gestaltung in Karlsruhe.

3sat-Dokumentarfilmpreis

Michael Baute
Er veröffentlicht seit 1992 zu Kino u.a. in Jungle World, Sigi-Goetz Entertainment, Cargo, kolik.film, tip Berlin und taz sowie im Weblog newfilmkritik.de. 2006 Co-Herausgeber (mit Volker Pantenburg) von „Minutentexte. The Night of the Hunter“ (Brinkmann und Bose). 2008/09 künstlerischer Leiter von „Kunst der Vermittlung“, einem Projekt zur Erforschung, Sammlung und Verbreitung audiovisueller Formen von Film- und Kinovermittlung. Seit 2010 Lehrveranstaltungen und Workshops, seit 2015 Dozent für Filmgeschichte an der dffb in Berlin.

Gabriele Mathes
Regiestudium an der Filmakademie Wien bei Axel Corti und Peter Patzak sowie Studium an der Universität Wien (Philosophie und Kunstgeschichte). Seit 2005 im Vorstand des Drehbuchforum Wien. Seit 2006 Leitung des Jugendfilmfestivals „video&filmtage“ in Wien. Filmemacherin, Dramaturgin, Drehbuchautorin. Von 2014-2018 Mitglied der Auswahljury für Scriptlab Doku (Drehbuchforum Wien). 2019 Mitglied der Auswahljury für sixpackfilm. 2020 Mitglied des Filmbeirats des BMKOES (Bundesministerium für Kunst, Kultur, öffentlicher Dienst und Sport).

Julia Zutavern
Sie studierte Film- und Literaturwissenschaft, Publizistik und Journalistik in Zürich und Hamburg. Sie promovierte über Film- und Videoarbeiten sozialer Bewegungen („Politik des Bewegungsfilms“, 2015), forschte und lehrte am Seminar für Filmwissenschaft der Universität Zürich (2006-2018), war Mitherausgeberin der Zeitschrift Montage AV (2013-2018), Vorstandsmitglied der Internationalen Kurzfilmtage Winterthur (2006-2010) und freie Mitarbeiterin der DOCMINE Productions (damals Condor Films, 2005-2008). Seit 2009 schreibt sie gelegentlich Filmkritiken, u.a. für den Tages-Anzeiger, die WOZ und das Filmbulletin.

Preis der Stadt Duisburg
„Carte blanche“ Nachwuchspreis des Landes NRW

Jenny Billeter
Co-Programmleiterin des Kino Xenix, Zürich. Nach mehreren Jahren in einer Band und im Kulturjournalismus Studium der Filmwissenschaft und Ethnologie an der Universität Zürich und Wien. Von 2006-2013 Mitglied der Auswahlkommission des Filmfestivals Visions du Réel in Nyon. Gleichzeitig beim Filmfestival Locarno zuerst als Pressebetreuerin, dann in der Auswahlkommission der Kurzfilme tätig. 2014 bis 2017 Leitung der Sektion „Fokus“ an den Solothurner Filmtagen. Ab 2015 Auswahl der Dokumentarfilme für das Programmkino Xenix. 2011-2015 Mitglied der Fachkommission Non-Fiction der Zürcher Filmstiftung. Seit 2019 Mitglied der Schweizer Filmakademie.

Andreas Bolm
Er lebt und arbeitet als Filmemacher und Künstler zwischen Deutschland, Frankreich und Ungarn. Seine Filme, u.a. „Ròzsa“ (2000), „Jaba“ (2006), „All The Children But One“ (2008) und „School Files“ (2012) wurden auf vielen renommierten Festivals weltweit gezeigt. „Jaba“ wurde 2006 in Cannes uraufgeführt und erhielt den „Golden Mikeldi“ für den besten Dokumentarfilm auf dem Zinebi Festival in Bilbao. 2009 wurde er zum renommierten Stipendium Cinéfondation Residence Festival de Cannes eingeladen, in dessen Rahmen er seinen ersten Langfilm „Die Wiedergänger“ entwickelte; Uraufführung 2013 auf der Berlinale in der Sektion Perspektive deutsches Kino. Derzeit arbeitet Andreas Bolm mit der ungarischen Künstlerin und Choreografin Boglárka Börcsök an mehreren Film- und Performance-Projekten zusammen.

Samira El Ouassil
Autorin, Schauspielerin und medienkritische Kolumnistin bei Spiegel, Übermedien und Deutschlandfunk. 2016 erschien ihr Buch „Die 100 wichtigsten Dinge“ (mit Timon Kaleyta und Martin Schlesinger) im Hatje Cantz Verlag. Zusammen mit Christiane Stenger veröffentlicht sie wöchentlich den preisgekrönten Philosophie-Podcast „Sag niemals Nietzsche“ sowie mit Friedemann Karig den diskursanalytischen Podcast „Piratensender Powerplay“. 2019 wurde sie für ihre Übermedien-Kolumne mit dem Bert-Donnepp-Preis für Medienpublizistik ausgezeichnet und ist dieses Jahr zum zweiten Mal für den Michael-Althen-Preis nominiert.

Kommission

Alejandro Bachmann
Kulturarbeiter mit Schwerpunkten im Vermitteln von und Schreiben über Film sowie in der Zusammenstellung von Filmprogrammen (mit Fokus auf dokumentarischen und experimentellen Formen). 2010 bis 2019 wissenschaftlicher Mitarbeiter, später Leiter des Bereichs Vermittlung, Forschung und Publikationen des Österreichischen Filmmuseums. Herausgeber von „Räume in der Zeit. Die Dokumentarfilme von Nikolaus Geyrhalter“ (Sonderzahl, 2015) und Co-Herausgeber von „Echos. Zum dokumentarischen Werk Werner Herzogs“ (Vorwerk 8, 2018), Associate Editor des Found Footage Magazine und des Film Education Journal. Lebt in Wien.

Bettina Braun
Ausbildung in London und Köln. Regisseurin, Autorin und Dozentin für Dokumentarfilm. Ihre Filme laufen auf nationalen und internationalen Festivals und erhalten diverse Auszeichnungen u.a. Filmpreis NRW für den Besten Dokumentarfilm, Medienpreis der Kindernothilfe, Phoenix Dokumentarfilmpreis, Publikumspreis der Duisburger Filmwoche. Für ihre Dokumentarfilm-Trilogie „Was lebst du?“ (2004/05), „Was du willst“ (2008), „Wo stehst du?“ (2011) erhielt sie 2013 den Grimme Preis Spezial. Bettina Braun ist Gründungsmitglied von LaDOC, Köln und Mitglied im Vorstand des Filmbüro NW e.V.

Anja Dreschke
Ethnologin, Filmemacherin und Kuratorin. Ihre Forschungsinteressen und Veröffentlichungen liegen im Bereich Theorie und Praxis an der Schnittstelle von experimenteller Ethnografie, essayistischem Film und künstlerischer Forschung. Unterrichtet audiovisuelle Anthropologie und Medienethnologie derzeit als wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Medien-und Kulturwissenschaft an der Universität Düsseldorf. Realisiert Filme, Videoinstallationen und Photoessays. Als Kuratorin arbeitet sie im Bereich von Ethnologie, Film und Kunst für Filmfestivals, Museen und andere Kulturinstitutionen.

Alex Gerbaulet
Filmemacherin und Produzentin in Berlin. Seit 2015 drei zum Teil mehrfach ausgezeichnete Kurzfilme: „Schicht“ (2015), „Tiefenschärfe“ (2017, zusammen mit Mareike Bernien) und „Die Schläferin“ (2018). Seit 2006 Lehrtätigkeit u.a. an der Hochschule für Bildende Künste Braunschweig, der Kunsthochschule Kassel, der School of the Art Institute of Chicago und der Short Film Station der Berlinale Talents, sowie Mitarbeit in der Auswahljury des Kasseler Dokfest und des European Media Art Festivals in Osnabrück. Seit 2014 ist sie Teil der Produktionsplattform pong film in Berlin und hat dort seither u.a. an Filmen von Philip Scheffner, Dorothee Wenner und Khaled Abdulwahed mitgearbeitet.

Jan Künemund
Geboren in Schwerte (Ruhr). Literaturwissenschafts-, Soziologie- und Linguistikstudium in Bochum, Mitarbeit im Endstation Kino und beim Festival blicke. 2006 bis 2015 Text-, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit beim Filmverleih Edition Salzgeber in Berlin. Redakteur des Queer-Cinema-Magazins Sissy. Dramaturgische Beratung bei Spiel- und Dokumentarfilmproduktionen, Co-Autor des Spielfilms „Lichtes Meer“ (2015). Seit 2015 Forschung und Lehre am Institut für Medien, Theater und Populäre Kultur der Universität Hildesheim. Promotionsprojekt zum Queer Cinema. Freier Filmjournalist, u.a. für Spiegel Online, Freitag, Taz und Filmdienst.

Luc Schaedler
Geboren in Zürich. 1986 bis 2002 Mitarbeit in der Programmation des Kino Xenix in Zürich. 1994 bis 1998 Studium der Ethnologie, Geschichte und Filmwissenschaft an der Universität Zürich. 2005 Promotion in Visueller Anthropologie mit seinem Dokumentarfilm „Angry Monk“. 1998 bis 2001 Mitarbeit beim Aufbau des Kinderfilmklubs Zauberlaterne in Zürich. Seit 1998 freischaffender Dokumentarfilmer und Produzent mit seiner Firma go between films: „Made in Hong Kong“ (1997), „Angry Monk“ (2005), „Watermarks“ (2013), „A Long Way Home“ (2018).

Filme

Aufzeichnungen aus der Unterwelt (Tizza Covi, Rainer Frimmel | AT 2020)
Rift Finfinnee (Daniel Kötter | DE 2020)
Jetzt oder morgen (Lisa Weber | AT 2020)
Wohnhaft Erdgeschoss (Jan Soldat | DE/AT 2020)
Gli appunti di Anna Azzori / Uno specchio che viaggia nel tempo (Constanze Ruhm | AT/DE/FR 2020)
Fonja (Lina Zacher | DE/MG 2019)
How to Disappear (Leonhard Müllner, Robin Klengel, Michael Stumpf | AT 2020)
Oeconomia (Carmen Losmann | DE 2020)
If It Were Love (Patric Chiha | FR 2020)
first in first out (Zacharias Zitouni | DE/AL 2019)
Spuren – Die Opfer des NSU (Aysun Bademsoy | DE 2019)
Kunst kommt aus dem Schnabel wie er gewachsen ist (Sabine Herpich | DE 2020)
Zu Dritt (Benjamin Bucher, Agnese Làposi | CH 2019)
Ich habe dich geliebt (Rosa Hannah Ziegler | DE 2020)
Ganze Tage zusammen (Luise Donschen | DE 2019)
Il mio corpo (Michele Pennetta | CH/IT 2020)

Extras

Wie weiter? Erzählerische und journalistische Potenziale der Doku-Serie
(I): Trend-Format Doku-Serie – ein internationaler Marktüberblick
(II): Captivating audiences – Why I make docuseries
(III): „Höllental“
(IV): „Scandinavian Star“
(V): Chancen und Risiken des Trend-Formats Doku-Serie

Rosa Hannah Ziegler im Gespräch mit Elena Meilicke

en plus. Kuratiert von Birgit Kohler
Maso et Miso vont en bateau (Carole Roussopoulos, Delphine Seyrig, Ioana Wieder, Nadja Ringart | FR 1976)
S.C.U.M. Manifesto 1967 (Carole Roussopoulos, Delphine Seyrig | FR 1976)

Abschied von gestern? Braucht es neue Strategien in der Dokumentarfilmpolitik?

Signers Koffer (Peter Liechti | CH 1996)

Motto

Anspruch

Das Jetzt ist anspruchsvoll. Die Ansprachen kommen von allen Seiten – an den Einzelnen und an die Gesellschaft. Austausch ist verletzlich, gefährlich geworden. Soziale Distanz statt Zusammenkunft. Wie können wir in Dialog treten, wenn das analoge Sprechen fragil geworden ist?

Doch alles beginnt mit dem Anspruch. Mit dem Aussprechen wird ein Gespräch eröffnet und eine Auseinandersetzung initiiert. Es öffnet sich ein Raum für Einvernehmen oder Einspruch. Diese Form des Redens ist der Duisburger Filmwoche eingeschrieben: Im Dialog bilden sich die Perspektiven auf Filmkultur, ihre Ästhetiken und Bedingungen des Bildermachens. So gilt es, den Anspruch auf diesen Diskursraum hochzuhalten und zugleich andere Formen des Reflektierens und Debattierens auszuloten.

Der historisch gewachsene Auftrag an das Dokumentarische ist nach wie vor virulent. Zeitzeugnisse schaffen. Dem Beanspruchen von Wahrheiten widersprechen, vielmehr die verschiedenen Wirklichkeiten ansprechen. Dieser künstlerische Anspruch, der Filmemacher*innen umtreibt, Bilder zu schaffen, Geschichten und Personen zu divers Sprechenden werden zu lassen, hält uns und die Filmwoche wach und dort, wo politisch nötig: auf Distanz.