Duisburger Filmwoche

Duisburger Filmwoche 24
STANDORTE
6. bis 12.11.2000

Preisträger

ARTE-Dokumentarfilmpreis für den besten deutschen Dokumentarfilm

Die Königin
von Werner Schroeter

Die Jury überzeugte die „Bildmächtigkeit“ dieses Films, seine „ungenierte Begeisterung für das große Kino“, „für die mächtige Inszenierung“. Weiter heißt es: „Die Bilder gehen mit der Ausstrahlung, dem Charisma von Marianne Hoppe eine atemberaubende Verbindung ein, doch sie feiern nicht bloß den Mythos der Diva. Sie brechen ihn auf.“

3sat-Dokumentarfilmpreis für den besten deutschsprachigen Dokumentarfilm

Das Himmler-Projekt
von Romuald Karmakar

In der Jurybegründung heißt es: „In dem leidenschaftslosen Spiel Manfred Zapatkas und einer bewußt einfach gehaltenen Inszenierung macht Karmakar die Rede Himmlers zugänglich für einen distanzierten, analytischen Blick. Zugleich konstituiert er eine Kommunikation, die sich so weit wie möglich an die historische Situation herantastet und dem Publikum den Schock der Nähe zumutet, ohne damit Komplizenschaft herzustellen.“

Förderpreis der Stadt Duisburg für den besten Nachwuchsfilm

Dreckfresser
von Branwen Okpako

Der Jury zufolge gelang der jungen Filmemacherin eine „dichte Studie über die Suche nach dem vermeintlich authentischen Leben eines Mannes, in dem die Medien immer mehr sehen wollten als nur ihn selbst.“

RP-Publikumspreis für den beliebtesten Dokumentarfilm

Abschied ein Leben lang
von Käthe Kratz

Kommission

Elisabeth Büttner, Dr. phil.
Geboren 1961 in Würzburg, Studium der Filmwissenschaft. Lehrtätigkeit u.a. an der FU Berlin und der Fachhochschule Techno-Z Salzburg. Verschiedene Publikationen und Bücher zu den Arbeitsschwerpunkten Gesellschaft, Kino, Zeit – zuletzt: „Anschluß an Morgen. Eine Geschichte des österreichischen Films von 1945 bis zur Gegenwart“ (Salzburg 1997); „Projektion. Montage. Politik. Die Praxis der Ideen von Jean-Luc Godard (Ici et ailleurs) und Gilles Deleuze (Cinéma 2, L’image-temps)“ (Wien 1999). Konzeption und Realisation von Filmschauen, Symposien und Seminaren. Mitbegründerin der Forschungscooperative „das kino co-op“ Wien 1990. Mitglied von SYNEMA – Gesellschaft für Film und Medien, Wien.

Jutta Doberstein
Geboren 1966. Assistenztätigkeiten bei Filmfestivals und Standphotographie. Filmstudium in London. Seitdem eigene Dokumentarfilme und Bühnenprojektionen für verschiedene Theater. Außerdem arbeitet sie als Kamerafrau und Übersetzerin. Filme: „Skin Fields“ (1991), „Ewig und Drei Tage“ (1993, zusammen mit Volker Köster).

Volker Heise
Geboren 1961 in Buecken, Niedersachsen. Studium der Politischen Wissenschaften am Otto-Suhr-Institut, FU Berlin. Freier Journalist, u.a. tätig für den Sender Freies Berlin, den Ostdeutschen Rundfunk Brandenburg und verschiedene Zeitungen und Zeitschriften. Dramaturgischer Berater bei zero film, Berlin. Volker Heise lebt und arbeitet in Berlin

Rembert Hüser, Dr. phil.
Geboren 1961 in Münster (Westf.), Studium der Germanistik und Geschichte in Münster, Bielefeld, Cornell. Schalkefan, (seit 1988 Mitglied) und Möllerhasser. 1992-1998 Wissenschaftlicher Assistent (Germanistik) an der Uni Bonn, seit 1999 im Kulturwissenschaftlichen Forschungskolleg „Medien und kulturelle Kommunikation“ in Köln. Arbeitsschwerpunkte: Kulturpolitik, Literaturtheorie und Filmwissenschaften.

Werner Ružička
Geboren 1947. Studium der Germanistik, Philosophie und Sozialwissenschaften in Bochum. Ab 1974 Leiter der kommunalen Filmarbeit in Bochum. 1978-82 Mitarbeiter am dokumentarischen Langzeit-Projekt „Prosper / Ebel – Eine Zeche und ihre Siedlung“ als Regisseur und Produktionsleiter. Nach 1982 verschiedene Arbeiten für Fernsehen und Theater. Seit 1985 Leiter der Duisburger Filmwoche. Juror u.a. bei den Internationalen Kurzfilmtagen Oberhausen, den Österreichischen Filmtagen Wels und beim Adolf Grimme Preis. Lehraufträge für Dokumentarfilm, u.a. an der Hochschule für Film und Fernsehen München, sowie Goethe-Institut-Seminare über Dokumentarfilm u.a. in China und Israel.

Alexandra Schneider
Geboren 1968 in Bern. Studium der Soziologie und der Filmwissenschaft an der Universität Zürich. Seit 1994 Assistentin am Seminar für Filmwissenschaft und diverse Lehraufträge u.a. im Bereich Dokumentarfilm und Filmgeschichte an der Universität Zürich und an der Hochschule für Gestaltung und Kunst, Zürich. Verschiedene Publikationstätigkeiten, zuletzt als Herausgeberin von „Die anthropomorphe Kamera“ (1997) von Christine Noll Brinckmann und des Schweizerischen Filmjahrbuchs CINEMA. Alexandra Schneider lebt und arbeitet in Zürich.

Filme

Der Boxprinz (Gerd Kroske | DE 2000)
Draga Ljiljana (Nina Kusturica | AT 2000)
Die Zeit der Strom (Petra und Peter Lataster | DE/NL 1999)
Abschied – Ein Leben lang (Käthe Kratz | AT 1999)
Dreckfresser (Branwen Okpako | DE 2000)
The Punishment (Goran Rebic | AT 2000)
Sanyu (Robert Frank | CH 1999)
Bitterer Zucker in Santa Lucia (Bernard Mangiante | DE/FR 2000)
Aufzeichnungen aus dem Tiefparterre (Rainer Frimmel | AT 2000)
Q – Begegnungen auf der Milchstraße (Jürg Neuenschwander | CH 2000)
NEUSTADT (Stau – der Stand der Dinge) (Thomas Heise | DE 2000)
Enter (Veit Bastian | DE 1999)
Hand aufs Herz (Oliver Schwabe | DE 1999)
Das Himmler-Projekt (Romuald Karmakar | DE 2000)
Von einer die auszog (Torsten Schulz | DE 2000)
Yugodivas (Andrea Staka | CH 2000)
Die Anderen (Gerald Hötzeneder, Johanna Rieseneder | AT/DE 2000)
Ein kleiner Film für Bonn (Klaus Wildenhahn | DE 2000)
Pieces of dreams (Michael Pilz | AT 1999)
Ich bin nicht der | DEr ich bin (Matthias Brunner, Stefan Brunner | DE 1999)
Mit Bubi heim ins Reich (Stanislaw Mucha | DE 2000)
How Time Flies (Wiltrud Baier, Sigrun Köhler | DE 1999)
Eine Synagoge zwischen Tal und Hügel (Franz Rickenbach | CH 1999)
Die Königin (Werner Schroeter | DE 2000)

Extras

„Ich glaubte Gefangene zu sehen“ (Video-Installation, Harun Farocki, DE 2000)

Neue Felder – neue Bilder. 20 Jahre Arbeitsgemeinschaft Dokumentarfilm

Anschlüsse I: Die Rede, das Reden
Anschlüsse II: Zum Dokumentarfilm – und zurück?

Ins Offene. Dokumentarisch Arbeiten 2

Blicke / Kontrolle / Strafe. Harun Farockis Projekt „Gefängnisbilder“

„Der kleine Godard“ (Hellmuth Costard | BRD 1970)

Von der Welt ins Bild. Augenzeugenberichte eines Cinephilen (Serge Daney)

Motto

STANDORTE

Seinen Stand finden und nicht zum Stehen kommen. Mit einem Bein auf dem Boden und dem anderen schon einen Schritt weiter. Der Stand und sein Ort: Zwischen beiden kreuzen sich Biographien und Projektionen, Ideologien und Infrastrukturen.

Es gibt eine Ästhetik des Standorts — fragmentarisch und kontingent. Die Duisburger Filmwoche macht sich in diesem Jahr auf die Suche nach den Koordinaten des Aufenthalts wie des Aufbruchs, Wegweiser und Schrittmacher der Auseinandersetzung zugleich. Das Ende ist offen, der Rest nicht zuletzt: eine Frage des Geschmacks.