Duisburger Filmwoche

Film

Bln. DDR & ein Schriftsteller
von Klaus Wildenhahn
DE 1986 | 102 Min.

Screening
Duisburger Filmwoche 10
04.11.1986

Diskussion
Podium: Klaus Wildenhahn, Wolfgang Jost
Moderation: Werner Ružička
Protokoll: Michael Kwella

Protokoll

Einige Fragen zu Details (etwa die verbreitete Auflagenhöhe der Werke vo~ Christoph Hein) eröffneten das Gespräch. Anschließend schilderte Klaus Wildenhahn die Modalitäten des Drehens in der DDR: Nach einer Anfrage beim internationalen Pressezentrum der DDR habe es jeweils ein Gespräch mit einem Vertreter vom Pressezentrum und einem vom Außenministerium gegeben.

Er habe dabei nur allgemeine Angaben zum Film gemacht und sich auf den in „Konkret“ abgedruckten Hein-Text bezogen, nach einer Weile dann die Dreherlaubnis erhalten.

Gedreht hätten sie einmal zehn und einmal vierzehn Tage, wobei stets ein Betreuer an ihrer Seite gewesen sei. Behinderungen oder Einschränkungen habe es nicht gegeben, allerdings seien spontane Drehs nicht möglich gewesen, da jede Aufnahme vorher angemeldet werden mußte. Zwar seien die Anträge jeweils genehmigt worden, aber das Verfahren habe zu Verzögerungen geführt.

Die inhaltliche Auseinandersetzung nahm ihren Anfang mit einer Anspielung auf die drei Ebenen von Fremdheit in dem Film: Fremdheit würde spürbar bei Wildenhahn in seiner P-rlle als Tourist, würde spürbar gegenüber He in und bei Hein gegenüber Wildenhahn. Das Herantasten/überwinden der Fremdheit sei filmisch adäquat umgesetzt – ob das als Idee von vorneherein geplant gewesen sei oder sich so durch die Arbeit ergeben hätte?

Wildenhahn ging auf diese Frage nicht ein, sondern führte aus: Er habe zwar seit e~~iger _ Zeit Kontakt zu DEFA-Kollegen, aber er hätte keine Lust ge~abt, e~·o’las uoer Fllme zu machen . Angeregt durch den 11Konkret11-Text habe er sich lleber ~u dem Film mit Hein entschieden, nur hätte der anfangs nicht gewollt. Das Zue~ nander haoe ander~halb J~hre gedauert, sei gekennzeichnet gewesen von Annaherung u~d neuerlichem Mißtrauen, neuer Annäherung – und nür -möglich geworde~. du r~n e1ne konst~uktive gegenseitige Skepsis, von Wildenhahns Seite her daruoerh1naus durch e1ne starke Sympathie gegenüber Hein .

Wolfgang Jost (Kamerä), die F ~ag~ nach .der Form aufgreifend: An DDR-Bürger g1nge man anders heran als be1sptelswe1se an bundesdeutsche.“Was kann man fragen, ansprechen – und was nicht? Wirken wir als ausl ändi sche Voyeure? Sind wir zu aufdringlich?“ Das Arbeiten sei stets von Unbehagen begleitet, dennoch müsse man schnell agieren. Wildenhahn auf die Frage nach dem Warum der Schnelligkeit: „Wir arbeiten gerne so . 11

Ein Zuschauer monierte, dies habe wohl auf die Qualität der Bilder geschlagen, die Kamera habe i hm gar nicht gefallen – von der Bildgestaltung her, dem Gebrauch des Zooms und der Wackligkeit der langen Brennweiten. Jost: Das Arbei ten mit einer leichten, kleinen Kamera führe zu sol chen Bi ldern , außerdem würde dies der schnellen Annäherung und der touristischen Sehweise entsprechen; im übrigen hätten die Bilder nicht überfrachtet werden dürfen .• um später noch die Texte drunter legen zu können. (Warum die Fragwürdi gkeit der Bilder nicht wei ter diskutiert w ~rde. bl ei bt dem Protoko llanten unverständlich; leider treten Brüche und NichtDezüge in den Diskussionen i~mer wieder auf . )

Ein anderer Zuschauer lobte Sensibilität und Präzi sion des Films – er wü rde genau die Situation einfanyen, die heute zwischen beiden Staaten bestehe. i!emye~enulier vQrr.liilto“ohl er wae 1te10 llalten versuclat, !>Linwnungen zu er’s um das Aufsvüren einer <.Jri tten Person ginge, und der Falm ende mit eanem "t::r" lHein) . llei fruheren lneman se1en 01e Aussagen direKter gewesen, doch diesmal haue er vorsichtiger mat oefi'l lhefi'la umgehen mussen- schlieiHich natte lwln sich auf e ine Gratwanderung eJOg.?lassen : tr haue enrlacr1 sein woll en, hcltle aber auch <.Jie Wirkung seiner Aussa;;en Innerha lo uer ULJR l!enicksichtiyen rnlissen, schileiH ich wurde er dor t als "Sp ra~nron r" ge lten. Aber: uer im Film angelegte !>ti l se i auch eane Frage des fliterns, sei Waldenhahns !>til jetll.

lu <.J~;n !>tll .,;enore, daa ;edes U1ld des Fllmsseliie 1ussaye IICitle, elwa der Hanternof , auf dem 1-iusiK von Uli‘ zu noren sei -ein starker J:indruck uncJ auch aan Ausdruck der 1nndnerung, auch derjenagen an !Ie i n. von einern 1‚urd e die Stila sieruny jedoch als ei ne kunstlicne bezeichnet; die Uilder se1en tellweise tautologisch, anders als sonst wurde der lon keine zusätzliche Eoene anoaeten.

Jost: uie Art der llilcler sei durchaus auf oie VIISICherheit irn LancJ und be am Orenen zurucKzufunren. Wi ld~n nann : Ihre l·letnode sei die der Svontanei tät ge,;esen; so nätten sie vor.nittags ‚yon der Lesung des llein- lextes im IUIS erfahren und a;n y lelCroen AL>ano die Sequenz an der UauSlelle aufgenomnen . Oie ~aloer se1en ue.,.ul>t Hllasiert , wenng leich von dem spontanen Verfahren geprägt. Ourt 1n der UoN sei man in der !>ituat ion des Urehens sehr auf sich selbst eingesellrankt – und mall verhalte s1cn daraus . !>o sei <.Jas ·vorl esen e anes tt:in-Textes uurcn IHIOen11ahn aus dem ho:nent heraus entstanden, ebenso das Vorlesen oes Textes aus der Illustrierten, und Wolfgang (Jost) haoe sich mat der Kamera dan6t h gerichtet. Sie sa ien eben neug ierig un~ mil l ha er, mal da ga·,.,.esen; zerfallen wurde der fi Im Ja won l nicht. Jost: Oie durch diese lietnode beding t en Unsaubert.eiten seien ents~o~rechencJ im Film verblieben - er se1 hall 1.e1ne liol1che Fernsehproduktion.- A~f den C:lmtanu, er llalle falscne Einlassungen lleans ~ ur.1 arnerikanischell KullurEwftuß an <.Jer llRtJ unwidersprocnen ge lassen. entgegnete llildcnl1ahn, dieses .tn~ma haoe ahn nacht so set•r interessiert. Er halle I ieber horen ltollen, wie iJUii-lnteli ektuelle dae iliu senen - auf den U1skurs daruoer sei es ihm n1cht angeiton::'en. ~s .,;äoe bea uns ja eine relatl 'l bre ite OUIHJerlclllerstattung, oocn dave1 ·,;uroe 1m11er et·,.,.as vo11 oe:r ulJN "aiJgelwackt". Uas aber sea Sl!ine :,acne n1c.11t. i.r nul le l1euer erfahren , warwn der U. Hai 191t> 111 uer UNU a ls lia eder laye, an oer UlJN ntngeyen als Ucfre1uny erlebt wur<.Je. Egal , wi e die IJui<-Be·(oJKeruri!J iJteilen, an oenen llcin sich t~uf~ yrund Wll denha!ms t:: im’l’iinde korri giert llattl! .- Fraye: Ui> <.J ie t:ieschicil le mit d•?r Flucht an di