Duisburger Filmwoche

Film

Erbschaft eines Angestellten – Über Hannah Arendt, Eichmann und „Banalität des Bösen“
von Eike Geisel
DE 1990 | 44 Min.

Screening
Duisburger Filmwoche 14
16.11.1990

Diskussion
Podium: Eike Geisel
Moderation: Werner Ružička, Dietrich Leder
Protokoll: Lothar Leininger

Protokoll

Nazifilme zeichneten sich durch manipulativen Umgang mit ihrem Ausgangsmaterial aus; direkt verknüpfen konnte Oskar Holl diese Tatsache zwar nicht mit seiner Lobrede auf die mönchisch bescheidene Machart des Films, er forderte jedenfalls von den wenigen Kritikern des bebilderten Radioessays (E.G.), die in dieser Form weniger ein neues Genre als eine üble Fernsehästhetik, welche die Bilder/Inserts als optischen Zeitgewinn für den Kommentar benutze, entdecken wollten, Alternativvorschläge mit dem Hinweis darauf, Leni Riefenstahls Filmästhetik habe in den USA begeisterte Anhänger.

Die Mehrzahl des Auditoriums gab sich denn auch damit zufrieden, mit einem RJhsseur, der von vornherein zugab, mit filmischein Mitteln wenig im Sinn gehabt zu haben, nicht über dessen Bilder zu sprechen sondern dessen Ausführungen zum Thema Antisemitismus in der deutschen Geschichte, Parallelen von Nachkriegsgeschichte der BRD und Gegenwartsgeschichte der Ex-DDR, Rezeptionsgeschichte des Werkes von Hannah Arendt und deren Einfluß auf die Protestbewegung der 60er Jahre zu lauschen.

Ein Redebeitrag wollte zwar in der großen Einfachheit des Films eine Qualität erkennen, in der jede Szene ihren Stellenwert habe, führte als Beleg dazu dann aber lediglich die Qualität des Dokumentarmaterials (Vergabe des Lessingpreises an Hannah Arendt in Hamburg) an. Und Werner Ruzicka bescheinigte nach den eingangs erwähnten Ausführungen über die Nähe von expirementelleren Formen zur nationalsozialistischen Montagepraxis dem Film einen hohen Abstraktionsgrad; das Argument verlor sich dann aber in Anmerkungen über unbezahlte voreingebrachte Vorarbeit Eike Geisels, die er als Übersetzer und Kenner des Werkes von Hannah Arendt in die Produktion miteingebracht habe.

Anstatt das, was Eike Geisel zu Goethe, Schiller, Thomas und Gala Mann, Hillberg, Schalck-Golodkowski, Opfer und deren eigener Partizipation:ihrer Unterdrückung zu sagen hatte hier breit wiederzugeben, möchte der Protokollant auf die einschlägige Fachliteratur verweisen.

Von Eike Geisel wurde konstatiert, das Lessingbuch Hannah Arendts diene mittlerweile als Fundgrube für Mompers und Weizsäckers Sentenzen, die Debatte der Protestgeneration über Mi tläufer des NS-Regimes hingegen, die zum großen Teil durch die Auseinander~etzung – ·mit den BUdiern· von Arendt, Adomo, etc-. ihren- ZOndT“unfen erhalten habe, seCfolgen-los geblieben .

Dem einzigen Redebeitrag, der darauf insistierte, daß die formale Behandlung eines Themas (beim Film eben auch die bildliche) wichtig sei,wußte Eike Geisel wenig entgegenzusetzen außer, daß der Zuschauerlseine Kritik von Insertbildern von Schriftstücken betreffen~ wohl der englischen/niederländischen/hebräischen Sprache nicht mächtig sei.