Duisburger Filmwoche

Film

Zum Abschied: Das Deutschlandlied
von Alexander Kluge, Günther Hörmann
DE 1993 | 20 Min.

Screening
Duisburger Filmwoche 17
13.11.1993

Diskussion
Podium: Günther Hörmann, Paul Leo Giani (Rechtsberater von DCTP), Detlev Saurien
Moderation: Werner Ružička, Dietrich Leder
Protokoll: Lothar Leininger

Protokoll

Der Vater von Günther Hörmann ist in Stalingrad gestorben, daher sein Interesse.

Alexander Kluge hat ein Buch über Stalingrad geschrieben ist aber zu beschäftigt, deshalb der Rechtsberater. Dietrich Leder interessiert sich für DTCP, daher die Auswahl dieser Filme.

Kluge hat um die zwanzig Stunden auf seinen Sendeplätzen zu Stalingrad untergebracht; diese sind verstreut, deshalb sind die Sendungen auch nicht zusammenhängend systematisiert. In der Flotte von anderen Beiträgen zu Stalingrad sind die DCTP-Beiträge eine Rückkehr zu den Quellen: In Stalingrad hatte keiner mehr den Überblick, es macht keinen Sinn, einen Zusammenhang herstellen zu wollen. Facetten also, Fragmente und Ausschnitte. Historisches Propagandamaterial wird verfremdet, das hinterläßt bei Lothar Schuster einen schwachen Eindruck. Conny Voester aber fand die Montage exzellent und den Abschied der 8. Armee ein bißchen sentimental, Günther Hörman auch, trotzderen unrühmlicher Rolle in Prag. David Willenberg wollte zur Spielwiese von Kluges Sanella-Album nichts sagen, konnte dann aber eine Anekdote aus einer Sendeanstalt unterbringen, aus der auch später angereiste Gäste der Filmwoche unschwer entnehmen konnten, daß David Willenberg a) Filmemacher und b) links ist. Weiterhin hat es ihn im zweiten Film mit tiefer Freude erfüllt, daß diese Militärfresse nicht gesiegt hat.

Dem widersprach Werner Ruzicka, der seinerseits die unverarbeitet lakonische Materialform sehr gerne mochte, andere hingegen hätten sich doch als powlowianischen Anschlußreflex auf das Stichwort ‚Fragment‘ mehr Brüche gewünscht. Hörmann verwies auf den Rahmen-Zusammenhang herkömmlicher Beiträge anderer Send.~r und erläuterte dann Kluges Konzept, unter der Rubrik Kultur auch Politik und Ökonomie unterzubringen.

Martin Schaub kam die Geschichte des Soldaten Zank auswendiggelernt vor, Dietrich Leder dagegen entzifferte die Befürchtung Zanks (das Datum des sowjetischen Angriffs betreffend) als unbewußte Projektion von Schuld, und Werner Ruzicka wies auf die Transformation des Russen in den Russen und das mißratene Datum (45 statt 85) der Wolgafahrt mit Schwiegermutter hin.

Die verwendete Musik von FM Einheit gab’s vorher schon und Dietrich Leder konnte mit dem D(isk) J(ockey) Heiner Müller als D(iskurs) J(ockey) zur Stabilitätsfrage von DCTP überleiten.

Paul leo Giani gelang es, in einer halben Stunde (mit 45 rpm) den Sumpf der deutschen Medienlandschaft unter besonderer Beachtung der dirty tricks des Herrn Thoma trockenzulegen. Zwei zoologische Formeln dieses Herrn Thema und eine eigene algebraische dienten Paul Giani zur Veranschaulichung der Verwahrlosung der Verhältnisse von Kommerziellen, Öffentlich-Rechtlichen und DTCP:

a) Der Wurm muß dem Fisch schmecken und nicht dem Angler.

b) Das Programm von ARD/ZDF = Thoma – 1.

c) DCTP sitzt wie ein Parasit auf dem Wirtstier der kommerziellen Sender.

Aber die Zukunft sieht nicht so schlecht aus: Sendeplätze sind wie Grundstücke und DCTP ist dabei gut im Geschäft. Die Kultur wird von Spiegel/Stern etc. als notwendig anerkannt, dabei seien sie in der Vergabe der Baulücken/Sendezeiten durchaus auch zu kleineren Pokerspielen in der Lage. Den großen Sendern gegenüber sind sie zwar nicht mächtig genug, um sich Rechtsbrüche leisten zu können, aber ganz so klein sind sie wohl auch nicht, zumindest hängt die größte Werbeagentur der Welt bei ihnen mit drin. So weit so gut, Bescheidenheit gehört zum Geschäft – und Dietrich Leder darf sich freuen, vox nächstes Jahr einladen zu können, vorausgesetzt die Feinsteuerung ihres Profils klappt.