Duisburger Filmwoche

Film

Bergmann Borsig, vormals VEB
von Barbara Kaspar, Lothar Schuster
DE 1992 | 94 Min.

Screening
Duisburger Filmwoche 16
1992

Diskussion
Podium: Barbara Kaspar, Lothar Schuster
Moderation: Karl Saurer
Protokoll: Antje Ehmann

Protokoll

Eine Ost/West Co-operation endet mit der ‚Operation Aufkauf‘.

Dem Motto der Filmwochen „BEKANNTES ENTDECKEN“ gemäß, reiht sich der Film ein in die Serie der Dokumentationen, die zeigen wie aus (in diesem Falle) 4500 Beschäftigten einer DDR-Firma in Kürze 1300 werden.

Derart unhintergehbares Faktum unter bekannten ähnlichen Fakten regte weniger zu einer themenbezogenen Diskussion an als zu einem Gespräch über verfahrenstechnische Fragen und Kritikpunkte.

Die Ausgangsmotivation zum Film, so Lothar Schuster, war eine fragende. „Wie sah ein DDR-Betrieb eigentlich aus?“, „Was ist eine Brigade?“

Gerd Kroske wollte diese überraschend generelle Fragestellung nicht als „naiv“ bewertet wissen. Vielmehr wirke der den Film bestimmende neutrale, nicht denunziatorische Blick- bzw. Kamerawinkel als Ausdruck eines „echten Interesses“ und „spürbarer Neugierde“.

So überraschte der wenig nach Sensationen und Entlarvungen heischende Film mit einer pikanten Szeneneinlage, dem ‚Überfall in der Dusche‘. Die Überraschung ‚ wurde zur Irritation, da es einigen Zuschauern nicht klar war, ob es sich hierbei um historisches Material handelte oder nicht. Das in der Tat historische Material war, wie die Filmemacher erklärten, Anlaß einer Sternstunde DDR-TV-Sendung ‚Prisma‘. Hier schloß sich einer der wenigen Kritikpunkte an. Ein Zuschauer interpretierte die Szene spontan als Umsetzung eines „Rationalisierungskommandos der neuen Führung“. Problematisch sei dies insofern als die Zweideutigkeit der Szene eine Identifikation des Filmemachers mit dem historischen Material suggeriere. Die Filmemacher stehen zu der für sie nicht ganz einsehbaren Irritation. „Wir wollten das erstmal so lassen“.

Die spektakuläre Einlage ließ auf weitere ‚Intensitäten‘ hoffen. Der konzeptionelle Leitfaden, wirklich rein dokumentarisch „visuell einzufangen“, wurde weiterhin fortgesponnen – in einem Fall jedoch abgeschnitten. Die „Hauptszene“ als pars pro tote, das „Kernstück des Films“ wurde beschnitten. Die mehrfach gelobte Behutsamkeit und Sensibilität der Filmemacher im Umgang mit den Interviewten machte es ihnen unmöglich, die grausame Stunde der Wahrheit, die Bekanntgebung der Entlassungsbescheide, in den Film mit aufzunehmen. „Wir können den Leuten nicht zumuten, das zu zeigen. (… ) Eine unerträgliche Szene …“

Die zentrale Szene des Films wurde auch ohne die dramatische Zuspitzung als solche aufgenonunen. Wie die gut eingefangene , „gespenstisch“ erzwungene Solidarität mit den Vietnamesen empfand man es als „erschütternd“, „traurig“ und „gruselig“, wie ein Meister mit langjährigen Kollegen spricht.

Ein sachliches, entspanntes Gespräch, eine insgesamt positive Aufnahme. Der Dokumentation wurde bescheinigt – von den Überfütterungserscheinungen der Medien zu diesem Komplex einmal abgesehen –