Film

NICO-ICON
von Susanne Ofteringer
DE 1995 | 72 Min.

Screening
Duisburger Filmwoche 19
11.11.1995

Diskussion
Podium: Susanne Ofteringer
Moderation: Werner Ružička
Protokoll: Antje Ehmann

Protokoll

Das Kontinuum der insgesamt eher friedlichen und entspannten Gespräche der diesjährigen Duisburger Filmwoche fand mit „Nico-Icon“ & dessen Besprechung einen sternsfündigen Abschluß. Der überdurchschnittliche Applaus im gefüllten Kino wirkte – durch die Abwesenheit von Kritik – im Diskussionsraum nach. Der Film stand und sprach für sich, die Filmwochenparty wartete, was blieb waren Erzählungen zum Dran und Drum des Filmes durch Susanne Ofteringer und Bekundungen der Freude und Hochachtung von Seiten des Publikums.

Susanne Ofteringer erzählte/erläuterte:

Mit 16 Jahren ist sie an die Plotten von Nico +Velvet Underground geraten und hat Nicos Art zu singen sehr eindrücklich gefunden. Daß sie seither schon immer mehr über Nico alias Christo Päffgen wissen wollte, war für den Film Anlaß genug. (Ofterdinger betont kein ausgesprochener Nico-Fan zu sein, was dem Portrait wohl seine angenehme Distanz verdankt).

Der ursprünglich als Diplomarbeit projektierte Film wollte vorerst ohne Untertitel und Kommentar auskommen und sich über die Einblendung der Schlüsselwörter und der nach Nicos Lebensphasen chronologisierten Musik verständlich machen. (Die nunmehr eingelaserten Untertitel empfindet Ofteringer als einen störenden Stilbruch).

Werner Ruzickas Frage nach den Gründen der derzeitigen Renaissance von PopIkonen resp. Nico sucht Ofteringer damit zu begründen, daß es sich hier nicht allein um einen Personenkult, sondern um ein darüberhinausgehendes Interesse an ehedem praktizierten lebensmustern, modischen und subkulturellen Strömungen handelt. Die quer durch die Generationen geteilte Neugier findet auch sie erstaunlich.

Den vom Film hervorgerufenen frappanten Eindruck, daß oll die (u.a. berühmten) Interviewten geradezu darauf gewartet hätten, zu Wort zu kommen, führte Ofteringer auf deren Kontaktfreudigkeit und (selbstironisch) ihr Studium der Wahrholsehen kommunikativen Präsenz und Kompetenz zurück. Vorhandene Vorkontakte mögen das Ihrige getan haben; bereits zu Schulzeiten schrieb sie John Cole z.B. Ionge Briefe. Warum Lou Reed fehlt? Der wollte über Nico – aus Gründen, die auch Ofteringer nicht angeben kann – lieber schweigen.

Das Publikum freute sich:

Über das genoue und präzise Montageprinzip des Films (mehrfaches Lob auch an den Cutter) I über die perfekte Gratwanderung zwischen Nähe und Distanz, mit der sich Ofteringer ihrem Sujet angenähert hat I über den schwer zu realisierenden Umstand, daß Ofteringer gleichermaßen die Ikone Nico und die Person Christo Päffgen ansichtig gemocht hat, ohne den einseitigen Prinzipien des Starkults oder der Stardemontage zu verfallen I darüber, daß Ofteringer nicht zuletzt dem Genre des Dokumentarfilms ein weiteres Glanzlicht hinzugefügt hat, (mehrfachen Tadel an Oliver Stones Film über die ‚Doors‘).

Der letzte Satz des letzten Gesprächs: „Nico lebt weiter im Film“! – Ende gut, alles gut.

 © Ekko von Schwichow
© Ekko von Schwichow