Duisburger Filmwoche

Film

Ich bin, ich bin ich…
von Dieter Bongartz, Wolfram Seeger
DE 1989 | 30 Min.

Screening
Duisburger Filmwoche 13
17.11.1989

Diskussion
Podium: Dieter Bongartz, Wolfram Seeger
Moderation: Dietrich Leder
Protokoll: Torsten Alisch

Protokoll

Der Film entstand aus dem persönlichen Interesse und Anliegen von Dieter Bongartz, diesen für ihn „utopischen“ – aber hier praktizierten – Entwurf menschlichen Zusammenlebens zu veröffentlichen.Für ihn bilden die unterschiedlichen Lebensentwürfe, die in solch einem Kindergarten aufeinanderprallen,einen „Reichtum an Erfahrung“, den die Kinder so in einem relativ frühen Alter abbekommen.

Es gab große Schwierigkeiten dieses Thema beim Fernsehen loszuwerden, weil für Behindertenproblematik kaum Senderplätze vorhanden seien – außer zu Weihnachten. oder auf eine sehr pädagogische Art, bei der Erzieher am besten ihr Konzept an Beispielen.erläutern müssten.

Praktisch entstand der Film in enger Zusamrr•enarbeit mit den Leitern der Kindergruppen. was problemlos war, da Bongartz‘ eigene Kinder selbst 3-4 Jahre in den: Kindergarten waren. Sie haben beim Drehen viel mit den Kindern experimentiert. weil vieles was sonst geschieht, einfach langweilige ·Alltagsaufnahme:n geworden wären. So ist beispielsweise die Szene mit der Ker-ze extra für die Aufnahme~r. arrangiert worden.

Einige kritisierten die Tendenz, Harmonie, die uns der ganze Film verkaufen wolle, so seien gerade die alltäglichen Streitigkeiten überhaupt nicht aufgetaucht („Kinder verkloppen auch mal behinderte Kinder“) oder die Erzieherinnen wären wie „gute Feen“ durch den Film gelaufen. Bongartz sieht diese Harmonie nicht, weil es da Szener: mit Dirk gibt, in denen er mal weggezogen. wird, obwohl er das gar nicht wolle, oder- diese lange Schlußeinstellung, in der Dirk auf dem Boden rumrobtt und niemand zu Hilfe kommt.

Den Text fanden einige zu poetisch, andere kritisierten auch hier die Tendenz der Harmonisierung. -DeN!:aJ’t wollte einen „schönen“ Text machen, der auch Kindern das Zuschauen er-leichtern solle.

Auf die Frage nach Reaktionen von Zuschauern nach der Fernsehausstrahlung {der· Film lief um 22.15 Uhr im 3. Programm), sprach Bongartz von vielen Anfragen anderer pädagogischer Imitationen an diesen Kindergarten. Dietrich Leder findet immer alle Filme dieser beiden Macher interessant – auch wenn er im Fernsehen einen Film der beiden erst nach der Hälfte einschalte, guckt er ihn zu Ende „weil sie zum Sehen einladen“ – Reaktionen von Kindern habe es nur spärlich gegeben, so Bongartz, aber zumindest alle Beteiligten haben sich’s im Fernsehen angeschaut.