Film

Mögen die Eichen nach uns wachsen
von Dietrich Schubert
DE 1985 | 30 Min.

Screening
Duisburger Filmwoche 10
05.11.1986

Diskussion
Podium: Dietrich Schubert, Fakir Baykut
Protokoll: WOLFGANG TROSTORF

Protokoll

Das Publikum war offensichtlich nicht zu einer hitzigen Debatte aufgelegt, und so eröffneten die beiden Regisseure mit einigen Hinweisen: Schubert auf inzwischen in deutscher Sprache erschienene Bücher Baykurts; Hübner auf den Filmzyklus über das Ruhrgebiet, dessen zweiter Teil der gezeigte Film ist, und dessen Drehorte immer im Zusammenhang mit den Porträtierten stehen. Die erste Frage aus dem Publikum richtete sich auf die Arbeitsbedingungen nach dem Wegfall der WDR-Sendung „Schauplatz“. Schubert und Hübner unterstrichen gleichermaßen in diesem Zusammenhang die Verschlechterung der Möglichkeiten für eine kontinuierliche dokumentarische Arbeit mit regionalen Bezügen.

Die unterschiedliche Bewertung der Kameraarbeit im Vergleich beider Filme seitens eines Publikumsbeitrage blieb undiskutiert, führte aber zu einigen Überlegungen zum Verhältnis Text/Musik und Bild. Hübner sprach über die ständige Gefahr, die Musik als Stimmungsmoment dominieren zu lassen, statt – was er intendierte – sie als erzählerisches aufzugreifen. Er habe das Bild-Musik-Verhältnis immer wieder „aufgerauht“, mit den Bildern dafür gesorgt, daß die Musik von Jörgensmann nicht als Untermalung gehört wird. Jörgensmann ergänzte dies mit seiner Erfahrung, daß ihm erst durch die Bilder des Films die „aggressive Melancholie“ sein er Musik als Teil der Ruhrgebietsmentalität bewußt geworden sei. Nicht unerwähnt bleiben sollte hier eine spätere Äußerung Werner Kubnys zu den Bedingungen seiner Kameraarbeit, die er als „sehr lustig “ bezeichnete , womit er den enormen Zeitdruck ansprach. Dennoch konnte er, der ansonsten mit Spielfilmen beschäftigt ist, seinen Blick für auskadrierte Bilder einbringen. Parallel dazu sagte Schubert, daß er keine Bebilderung von Baykurts Text schaffen wollte, sondern ein Spannungsverhältnis erzeugen. Dem Einwand, der Film hätte dem Zuschauer mit Textpausen mehr Gelegenheit zum Betrachten der Bilder geben sollen, begegnete er mit dem Hinweis auf das Zeitlimit, der Text hätte dann gekürzt werden müssen. Im abschließenden Teil der Diskussion stand das Verhältnis von Dokumentarfilm und Kunst im Mittelpunkt: Ist da eine Tendenz zu diagnostizieren, ein „Zurückziehen aus der Omnipotenz“ des Dokumentaristen durch die Zusammenarbeit mit Künstlern, ein Weggang vom direkten Realitätsbezug? Sowohl Hübner als auch Schubert räumten ein, an eine Grenze bei der dokumentarischen Arbeit gekommen zu sein. Die Beschäftigung mit der Kunst sei für ihn keine „melancholische Flucht“, so Hübner, sondern ein Umweg des Erzählens, sie läßt ihn eine n Schritt zurücktreten und verschafft dem dokumentarischen Arbeiten die notwendige Distanz. Doch das ist für ihn ebensowenig die neue, ausschließliche Verfahrensweise, wie für Schubert , der bei seinen vorangegangenen Filmen Spielformen wählte, aber sich mit seinem nächsten Film wieder direkt den Menschen und der Landschaft zuwenden will. Er fände es begrüßenswert, wenn sich Filmemacher häufiger mit Autoren und Musikern zusammenschließen würden. Hübner wies abschließend daraufhin, daß der Dokumentarfilm ja immer beides sei, Journalismus und Kunst, wobei der Kunstaspekt stärker zu betonen sei.