Duisburger Filmwoche

Extra

Beim Betrachten Prominenter
von Roger Willemsen

Duisburger Filmwoche 13
18.11.1989

Protokoll: Reinhard Lüke

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Protokoll

Die Diskussion fand nicht statt.Die Revolution auch nicht.

Was an Wortbeiträgen zu protokollieren bleibt,beschränkt sich auf den Ausruf einer Zuhörerin,’da könne man doch jetzt gar nicht diskutieren!‘ Ein Ausruf,der freilich offenläßt,ob sie damit nur einen gewissen Erschöpfungszustand zum Ausdruck bringen wollte oder der Ansicht war, Roger Willernsens Ausführungen seien schlechterdings nicht diskussionswürdig. Ersteres ist wahrscheinlich.Wenn auch der Schnarcher in der letzten Reihe höchst profane Gründe für sein Nickerchen gehabt haben mag (Duisburger Nächte?),so waren doch auch bei vielen anderen Zuhörern gewisse Ermüdungserscheinungen im Laufe des Vortrags unübersehbar. Ein Phänomen,das letztendlich auch den Referenten selbst kaum überrascht haben dürfte.Was er da an einem adverb- und attributstrotzenden rhetorischen Feuerwerk abbrannte,ging schon an die Grenze der Rezipierbarkeit. Schließlich befand man sich ja auch noch auf einem Filmfest.Da dürfte es einigen Teilnehmern schon schwergefallen sein,die Sinnesorgane so einfach umzupolen. ·

Gleichwohl,es hätte schon was zu diskutieren gegeben.Sicher(hoffentlich!) nicht die Frage,ob Richard von Weizsäcker am Ende vielleicht doch ein herzensguter Mensch ist.Dem bestellten Protokollanten offenbarte sich bei dieser wirklich brillanten Sezierung eines Mythos wieder einmal ein Problem,das in geisteswissenschaftlichen Kreisen immer als ‚Das Elend der Diskurs-Kritik‘ diskursiv kritisiert wird.

Aber letztendlich weiß er natürlich auch nicht,wie diesem grundsätzlichen Dilemma der Identität von Patient und Operationsbesteck zu entkommen wäre.Er erinnert sich zu solchen Anlässen unwillkürlich jener Beate Klasfeld,die da einst aufstand und einem Bundeskanzler Kurt Georg Kiesinger kurzerhand eine schallende Ohrfeige verpaßte.Sicher,das trägt der Differenziertbett des Problems mit solchen Figuren auch nicht Rechnung, aber •••

Da Radio Bremen den Vortrag Roger Willemsens zwar gekauft,aber nicht gesendet hat(welch subtiler Umgang eines Staates mit seinen Kritikern), gibt es Überlegungen,ihn in ZELLULOID anzudrucken.

„Druckkostenübernahme durch die Duisburger Filmwoche“ hallte dann noch unwidersprochen durch den Saal.