Duisburger Filmwoche

Extra

Neues aus den Magazinen?

Duisburger Filmwoche 12
09.11.1988

Podium: Rudolf Lauschke (EXTRA DREI), Jürgen Thebrath (MONITOR), Wolfgang Landgraeber (PANORAMA), Kuno Haberbusch (PANORAMA), Desirée Bethge (ZAK), Gerd Berger (ZAK), Stefan Aust (SPIEGEL-TV)
Moderation: Hans Janke
Protokoll: Michael Kwella

Protokoll

Die einzelnen Magazine stellten sich .jeweils rilit .. einem oder mehreren Beiträgen vor, anschließend wurden allgemeine Informationsfragen beantwortet. Erst danach begann die eigentliche Diskussion. Das Protokoll folgt diesem Verlauf;

EXTRA-DREI

NDR/Nordkette jeden Freitag 20.15 – 20.45 Uhr

Gezeigte Beispiele: Der tägliche Pendler zwischen Berlin und Niedersachsen I Verhinderte Paßausstellung für eine Deutsche I Sprachregelung bei Behördenerlaß

Rudolf Lauschke:.Die gezeigten Beispiele seien in ihrer Ironie nicht typisch für alle Beiträge von Extra Drei; es gäbe auch Sadaicheres, doch der vorgestellten Form gehöre ihre Liebe. Die Beiträge sollten zumindest mit einem Gag daherkommen, allerdings ohne das Politische zu vernachlässigen. Ihre Sendung iei · weitgehend auf Verbales und Wortwitz angewiesen. filmisch könnten sie die.Dinge nicht immer so umsetzen. wie sie gerne wollten, da sie lediglich mit einem kleinen Etat und begrenzter redaktioneller Ausstattung versehen seien. Sie würden als Schnorrer der ARD gelten, da sie immer wieder auf Material von anderen Sendern zurückgreifen müßten. Ungünstig sei ihr Sendetermin; ihre Einschaltquote läge bei 4% (ca. 240 000 Zuschauer}, bei der früheren Ausstrahlung am Dienstag bzw. Mittwoch hätten sie bessere Quoten gehabt. Gegen die freitägliche SpielfilmKonkurrenz auf anderen Kanälen sei kaum zu bestehen.

Janke: Profitiere Extra Drei vom durch die privaten Anbieter gesetzten Trend zur Unterhaltsamkeit? Lauschke antwortete mit einem klaren Nein. Sie hätten ihre spezifische Form schon irrrner so gefüllt; ihr primäres Anliegen sei es, … sich.· keiner Form von Obrigkeit unterzuordnen.

MONITOR

WDR/ARD alle fünf Wochen Oienstag 21.00- 21.45 Uhr

Gezeigtes Beispiel: Unterdrückung von Studien zur Schädlichkeit von Aspirin

Janke: Wohl kein anderes Magazin weise eine solch ausgeprägte politische Programmatik auf wie Monitor, das dafür auch schon mit diversen Preisen ausgezeichnet worden sei. Auf welcher Position stünde es im Augenblick?

Thebrath wollte keine allgemeine StandortbestiJMtung abliefern: Die Redaktion bestünde aus sechs Personen mit sechs Standpunkten – und geraae in dieser Unterschiedlichkeit liege auch eine Stärke. Ihr generelles Anliegen sei es, Sachverhalte aufzuklären~ die Wirtschaft und Politiker lieber unter’m Tisch halten würden.

Monitor sei keine sendung für eine eingeschworene Gemeinde, eine Korrespondenz zwischen Zuschauer-Erwartungen und Magazin-Inhalten wie bei Löwenthais ZDF- · Magazin fände er tödlich.

Ihre Redaktion würde viel Mühe auf Formgedanken verwenden~ sich an Satire, literarischen Texten und Inszeniertem ausprobieren. Das aus dem eigenen Haus kommende ZAK sei da ein guter Stachel, obgleich man sich von dieser anderen Form des Journalismus auch abgrenzen könne.

Ein großes Problem sei durch den seltenen Sendetermin gegeben: durch die Pflicht zur aktuellen Berichterstattung entfalle dabei manches Thema, zu dem längere Vorarbeiten nötig gewesen seien.

Durch die Konkurrenz der Privaten habe es zwar Verluste bei den Einschaltquoten gegeben (teilweise eine Reduktion um 50%), dennoch glaube er, daß Magaiine wie Monitor Bestand hätten.

PANORAMA

NDR/ARD alle fünf Wochen Dienstag 21.00 – 21.45 Uhr

Gezeigte Beispiele: Prädikatisierung von 11Rambo I II“ I Veränderung der Mi tgliederstruktur der IG Metall und ihre Folgen

Janke: Der gezeigte Gewerkschaftsbeitrag sei geprägt von einer Verlegenheit der Bilder, die ohne rechten Aufschluß seien. Panorama scheine sich inzwischen als Konkurrenz zu Spiegel, Stern etc. zu verstehen, mit der primären Tendenz, „News 11 präsentieren zu wollen, die andertags von der Presse nachgedruckt würden. So würden die Beiträge kopf- und wortlastig, das Prinzip der filmischen Reportage trete in den Hintergrund.

Landgraeber: Dazu würden in der Redaktion unterschiedliche Meinungen existieren. Der allgemeine Nenner sei jedoch schon der, einerseits exklusive Neuigkeiten zu präsentieren, andererseits ein Thema breiter als durch andere Publikationen erfolgt zu recherchieren. ·

Janke warf die Frage auf, ob Journalisten immer über genügend Sachverstand verfügten, um – gerade bei komplexer Materie – jeweils die richtigen Fragen zu stellen. Landgraeber: Natürlich nicht durchgängig; bei entsprechenden Fällen käme bei ihnen der Fach- und Sachverstand dann von außen, entstünde eine Kompetenz- Synthese von Macher- und Sachverstand. Dennoch hinterbleibe immer wieder · ein Gefühl des Mangels~ gerade auch aufgrunddes schnellen Journalismus‘: ob man denn tatsächlich die richtigen Fragen und genügend gestellt hätte.

Haberbusch: Probleme gäbe es gelegentlich auch hinsichtlich der Solidarität mit den Betroffenen, der man nicht genügend nachkommen könne, gerade weil man sich zum Ausgleich der Kumpanei bestimmter Joürnalisten mit Politikern der Gegenseite verpflichtet fühle.

Landgraeber: Nach wie vor meine er, daß Fernseh-Magazine eine Gegenöffentlich- · keit schaffen sollten.

SPIEGEL~Tv

RTL/ jeden Sonntag 21.50- 22.15 Uhr

Gezeigtes Beispiel: Polizeitaktik und -übergriffe IWF-Tagung Berlin

Aust verwies eingangs ausdrücklich darauf, daß das 11Nachrichten-Magazin“ nicht Teil von RTLplus sei, sondern Untermieter auf dem von DCTP Alexander Kluge zur Verfügung gestelltem Sendeplatz.

Auf Jankes Frage, ob er sich bei einem privaten Sender wohler fühle als früher beim öffentlich-rechtlichen Fernsehen, äußerte Aust: Beim Spiegel-TV könne er der Arbeit nachgehen, die er am liebsten machen würde. Das Magazin unterläge keiner Kontrolle. er müsse auf keine Themen-Vorschläge eingehen, es fände· keine Abnahme der Sendung statt – sie könnten tun, was sie wollten und sich zutrauten. Ein Vorteil sei der wöchentliche Se.ndetermin, so könnten sie schnell auf Ereignisse reagieren und durch die relative Menge an Sendezeit ein breites Spektrum an TlleEn bedienen.

Ihr Anliegen sei es, konsequente Fernsehreportagen zu produzieren; tauge ein Thela nur schlecht zur filmischen Umsetzung, dann solle es besse~ Der Spiegel behandeln. Insofern würde er auch lieber vom Medienverbund reden und nicht, wie haufig üblich, vom Verleger-Fernsehen; es gäbe zwar eine sporadische Kooperation mit dem Spiegel, aber seine Bedingung zur Obernahme der Sendung sei ganz klar gewesen , daß er nicht der Chefredaktion des Spiegels unter·stellt würde, sondern lediglich der Geschäftsführung.

Er glaube an die Zukunft der politischen Magazine – international gesehen würden sie hohe Zuschauerzahlen aufweisen. Beispielsweise habe das 11Nachrichten-Magazin11 bei einer RTLplus-Reichweite von 25 % der Zuschauer bereits 1 Million Seher; während des zweiten Jahres wi l l er die 2-Millionen-Grenze erreichen.

ZAK

WDR III/ jeden Freitag 21.45 – 22.30 Uhr

Gezeigtes Beispiel: Ein Trailer mit ausgewählten Beiträgen

ZAK sei ein politisches Magazin, das nach eigenen Formen suche; die Mitarbeiter kämen aus dem Bereich politische Information und wollten politfsche Inhalte auf neue Weise vermitteln darüber auch neue Zuschauer gewinnen, insbesondere jüngere.·Die Mehrheit der üblichen Magazin-Zuschauer sei über 50 Jahre alt; Untersuchungen über die Altersgruppen der ZAK-5eher lägen noch nicht vor, doch die eingehende Post signalisiere, daß auch 17 – 30jährige die Sendung sähen.

Janke: ZAK erinnere ihn an eine Wundertüte – eine Sendung mit harten pol itischen Inhalten in spritziger Form. ·Gehe man da nicht auf eine falsche Art mit den Stoffen um, betreibe man nicht den Ausverkauf der Inhalte?

Bethge/Berger: Man habe schon eine andere Haltung zu Inhalten, zur Politik und zum Zuschauer als andere Magazine; so wolle man nicht mit der Haltung des Besserwissenden daherkonmen. Gleichwohl sei der eingeschlagene Weg gefährlich, weil eine Gratwanderung. Doch dieses Risiko sei nötig , käme eigentlich viel zu spät, da man auf die Anmache durch die Privaten nicht rechtzeitig reagiert habe.

ZAK sei ein Unikat und nirgends abgel